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Tipp der Woche KW 44/2002


Textbausteine (1)

Sie gehören seit der ersten Stunde zum festen Bestandteil von multifile: Textbausteine. In dieser Reihe werden alle Einsatzmöglichkeiten von Textbausteinen beleuchtet, angefangen von der Erfassung bis zum Einsatz von Textbausteinen mit Hilfe der Programmierung. Die Möglichkeiten, die in Verbindung mit Textbausteinen zur Verfügung stehen, sind vielfältig und an einigen Stellen auch komplex. Wir möchten Licht in dieses Thema bringen und starten diese Woche mit der Klärung, was Textbausteine eigentlich sind und warum es auch Grenzen bei der Verwendung von Textbausteinen gibt.

Der Ursprung
Zu den Zeiten, als die Betriebssysteme noch "DOS" hießen, machten sich mehrere Konzerne daran, dem PC eine grafische Oberfläche zu verpassen. Was diverse Software-Hersteller in einzelnen Anwendungen bereits vorgemacht hatten, sollte nun Bestandteil des Betriebssystemes werden: Die Ausgabe von Grafik am Bildschirm und auf den Drucker. Allen voran waren mit dieser Entwicklung die Konzerne Microsoft und IBM vertreten. Während Microsoft eine zunächst sehr ungenügende Software namens "Windows" auf den Markt brachte, kündigte IBM bereits das Betriebssystem "OS/2" an. Microsoft legte nach und sicherte sich mit der Version 3.0 seines "Windows" bereits einen großen Marktanteil. IBM hatte das Nachsehen, obwohl OS/2 technisch gesehen weiter entwickelt war. So war dieses Betriebssystem bereits ein vollwertiges 32-Bit-Betriebssystem. Es dauerte fast fünf Jahre, bis Microsoft ein halbherziges 32-Bit-Betriebssystem mit "Windows 95" und für Netzwerkanwendungen das "Windows NT 4.x" anbieten konnte. Obwohl IBM OS/2 erheblich sicherer war, schneller lief, kostengünstiger erstanden werden konnte und nicht zuletzt an nahezu allen Universitäten eingesetzt wurde, konnte es sich nicht durchsetzen. Windows war einfach "schöner". Doch es gab eine Sache, die IBM dem OS/2 verpasst hatte, was Microsoft nicht gelang: Einen Standard für Textdateien.
Im Gegensatz zu DOS-Anwendungen, wo lediglich die zu verwendenden Zeichen von bedeutung sind, um einen Text korrekt am Bildschirm darzustellen, musste unter einer grafischen Oberfläche ein neuer Standard her. Es war geradezu zwangsläufig nötig, Zeichen unterschiedlich groß, in verschiedenen Schriftarten, fett oder kursiv darzustellen. Unter DOS wusste der Anwender, dass das eben nicht geht und so konnte man sich mit Steuerzeichen oder Schriftfarben zufrieden geben, doch bei einer grafischen Oberfläche erwartete man diese Möglichkeit, ja in vielen Fällen war dies sogar der Kaufgrund. IBM entwickelte daher bereits sehr früh einen Standard, der "Richtext" bezeichnet wird. Da andere Hersteller, wie Apple oder Amiga in Lizenz derartige Dateiformate von IBM übernahmen, war dieses Format sehr schnell in aller Munde. Microsoft musste nachziehen und erwarb bei IBM Lizenzen, um in der zweiten Version von "Windows 95" ebenfalls "Richtext"-Dateien darstellen zu können. Seit diesem Tag spricht man von "RTF" (Rich-Text-File).
Textbausteine, die unter multifile erstellt wurden, sind nichts Anderes, als RTF-Texte. Das eigentliche Programm arbeitet mit Modulen, die von IBM hergestellt wurden und Bestandteil des Windows-Betriebssystemes sind. Dies ist übrigens auch der Grund, weshalb multifile unter der ersten Ausgabe von "Windows 95" nicht installiert werden kann. Diese Windows-Version kannte noch keine RTF-Texte.

Der Vorteil
Es gibt zahltreiche Programme, die mit RTF-Texten arbeiten können. So kann ein Textbaustein, der unter multifile erstellt wurde, ohne Probleme auch anderweitig verwendet werden. Im Gegenzug stellt es keine Probleme dar, unter multifile Texte zu verwenden, die von anderen Programmen im RTF-Format erstellt wurden.

Der Nachteil
Durch die Verwendung von RTF-Dateien ist man auf den Lizenzgeber IBM angewiesen. Zudem hoffen wir, dass Microsoft auch weiterhin die Lizenzen von IBM erwirbt. Doch die weite Verbreitung dieses Formates führt dazu, dass Microsoft ein eigenes Interesse an den Lizenzen hat, da das Produkt "Windows" deutlich an Wert verlieren würde, wenn es diesen Standard nicht unterstützen würde.
Der eigentliche Nachteil besteht allerdings in der Beschränkung der Funktionalität. Beispielsweise sind rechtsbündige Tabulatoren nicht möglich, da diese nicht dem IBM-Standard entsprächen. multifile ist also nicht in der Lage, dem Standard-Umfang der RTF-Texte zusätzliche Funktionen hinzuzufügen. Dies betonen wir an dieser Stelle noch einmal sehr deutlich, da uns bereits diverse Wünsche zu weiteren Funktionen bei den Textbausteinen erreicht haben. Die eigentliche Adresse für derartige Wünsche lautet also IBM.

Fazit
Textbausteine lassen sich immer dann verwenden, wenn sie in Word-Dokumente einfliessen sollen. Ideal sind sie nur dann, wenn es sich um einen Fließtext handelt, also keine Tabellen o.ä. enthält. Im Rahmen dieser Serie werden Sie feststellen, dass es weit mehr Einsatzgebiete für Textbausteine gibt, als man zunächst annehmen möchte.

Nächste Woche werden die Formatierungsmöglichkeiten von Textbausteinen erörtert und Tücken aufgedeckt.

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